PROGRAMM

es war einmal ...

RECAP - das GRAPHIT 2020

Unser Symposium erstreckte sich über 5 Tage und fand zu großen Teilen im KLANGGERÜST und im KONTOR im Erfurter Norden statt, führte während der Skizzentouren aber auch zu weiteren städtischen Kulturorten und ins Naturschutzgebiet Alperstedter Ried. Was genau abging zum GRAPHIT erfahrt ihr am ehesten im nachfolgenden Recap. Checkt auch mal die Artists. Außerdem kommen in Kürze noch ausgewählte Vorträge, Streams & Podcasts auf unsere Kanäle. Ui ui ui.

Aber erstmal viel Spaß beim Scrollen, Wischen und Lesen!

Tausend Dank für die fotografische Dokumentation an Ole Bechert, Juliane Großmann und Paul Würtz.

GRAPHIT Tagebuch

Nach dem GRAPHIT ist vor dem GRAPHIT. Das wurde uns spätestens Ende 2019 bewusst, als sich eine Neuauflage des im Vorjahr erstmalig veranstalteten Festivals anbot. Wohl aufgrund der positiven Erfahrungen des Auftakts oder aus Begeisterung für die Idee GRAPHIT, aber mit Sicherheit zum Glück für die Initiatoren Stefan und Niels erklärte sich eine bunt engagierte Truppe aus dem Dunst der lokalen Kreativszene zur Organisation des nächsten GRAPHIT bereit. Die dabei entwickelte Projektidee wurde getragenen von Plattform e.V. und finanziell gefördert durch die Stadt Erfurt, die Thüringer Staatskanzlei, das Quartiersmanagement Ilversgehoven und die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Neben dieser notwendigen Rückendeckung hat uns der ebenso wichtige Support zahlreicher UnterstützerInnen aus Kreativwirtschaft, freier Szene, lokalen Initiativen und von privater Seite weiter gepusht. Dadurch konnte die Crew aus größtenteils ehrenamtlichen HelferInnen allen Widrigkeiten um Corona zum Trotz dafür sorgen, dass vage Ideen in fixe Projekte, grobe Vorstellungen in konkrete Taten und fantastische Utopien ins fulminante GRAPHIT gewandelt wurden.

Der eingeschworene Kreis gemeinsamer Geister wuchs stetig weiter. Obwohl bis zur letzten Minute ungewiss war, ob es ein GRAPHIT im Jahr 2020 geben darf, stieg man unverdrossen in die Umsetzung ein und machte das Beste aus dem, was man eben machen durfte – oder vorher noch nie gemacht hat. Kein Wunder, dass diese Aufbauwochen, zwischen Klanggerüst und Kontor, zwischen Sprühdose und Spaghetti essen, für sich genommen schon als kleines Festival in die Analen eingegangen sind. Hier wurde bis spät geschraubt und gemalt, aber auch viel ersonnen und gelacht. Und sollte es jemals Schwermut gegeben haben, dann ist der spätestens bei Beginn des Symposiums verflogen, weil all die angereisten Energiebündel unserer Crew unvermindert Antrieb und Rückhalt zugleich gegeben haben.

Hach, welch schöne Zeit dann folgte…

Am Mittwoch, den 23.09.20 feierte das zweite GRAPHIT seinen Auftakt als Symposium für Illustration und urbanes Skizzieren in Erfurt! Bei Drinks der Kleinen Rampe und deftigen Veggie-Burgern von Green Republic kamen frisch angereiste Gäste und von den letzten Aufbaustunden geschundene HelferInnen am Kontor zusammen, um gemeinsam ins fulminante Abendprogramm zu starten, das von GRAPHIT-Mitorganisator Niels Jüngling und Gastrednerin Birgit Sprenger als Vertreterin der Thüringer Staatskanzlei eröffnet wurde. Programmpunkte und besondere Highlights waren der Vortrag von Gesa Foken über die Aktualität der Handzeichnung als perfekte Einstimmung für die kommenden Tage, gefolgt von der Deutschlandpremiere des Films „Endless Letterpress“ aus Argentinien – in Kooperation mit Rotzfrech Cinema, präsentiert von Blackstreets Magazine.

Der Donnerstag stand dann ganz im Zeichen der Produktivität und war ein Tag vollgepackt mit Workshops, die parallel im Klanggerüst und dem Workshopraum von Boesner stattfanden. Los ging es mit Susi Vetter zum Thema „Augmented-Reality-Illustration“ sowie „Illustrierter Meditation“ mit Daniel Eyrich und Stefan Kowalczyk. Am Nachmittag folgten Inputs zum Thema „Das vielfältige Kinderbuch“ von Frances Buka und der Workshop über „Historical Nose Art“ mit Josh von Josh’s Flight Jackets. Außerdem fand die erste Urban-Sketching-Tour statt, bei der Julia Heinemann und Niels Jüngling die Teilnehmenden zeichnend durch Erfurter Kulturorte führten. Nachdem alle wieder im Klanggerüst vereint waren, ging es im Garten in das disskusionsreiche Abendprogramm über, das unter anderem mit Unterstützung durch die Thüringer Agentur für die Kreativwirtschaft THAK ermöglicht wurde. Als Einleitung genossen die Teilnehmenden spannende Impulse von Frank Berzbach und Thomas Dietze, die danach zusammen mit Sandra Bach, Katja Großer und Norman Schulz auf dem Podium Platz nahmen, um sich beim GRAPHIT-Chat zum Thema „Realtalk und Rudelbildung“, moderiert von Marcus Berger, den Fragen und Antworten des Publikums zu stellen. Zwischendurch blieb allerhand Zeit zum Zeichnen und bis tief in die Nacht Gelegenheit für gute Gespräche.

Am Freitag strebte das GRAPHIT seinem Bergfest entgegen. Nach dem Frühstück starteten Line Hoven und Phillip Janta bei Boesner die „Verteidigung der dunklen Künste“, während Anne Albert zum „Einfach gut so“-Illustrationsworkshop ins Klanggerüst lud, gefolgt vom bewegenden Animationsworkshop bei GRAPHIT-Battle-Veteran Johannes Kretzschmar. Parallel flanierte die Nature-Sketching-Tour, geführt von Niels Jüngling und Felix Schwager durch das Alperstedter Ried. Gedankt sei an dieser Stelle der Stiftung Naturschutz Thüringen für die Möglichkeit und Begleitung einer tierisch guten Tour durch das größte Kalkflachmoor Thüringens. Zu Beginn des Abends hatten die Teilnehmenden und Gäste Gelegenheit zum Einblick in die Arbeitsrealität von Motiondesigner Dirk Rauscher und dem Illustrator Christian Bögle, die mit ihren Vorträgen nicht nur die Kunst ihrer Zunft präsentierten, sondern den zahlreichen BesucherInnen auch ermutigend frische Projekte zeigten.

Im Anschluss folgten dann die großen Emotionen. Freitagabend war Zeit für MUCKE UND MALEN, das als experimentales Live-Stream-Live-Show-Format im Vorfeld des Symposiums konzipiert wurde und just an diesem Tag in Kernfusion mit dem heiß geliebten GRAPHIT-Battle seinen Höhepunkt und krönenden Abschluss fand. Sieg und Niederlage liegen bekanntlich nah beieinander, aber was in diesen drei-einhalb Stunden zusammengerührt wurde, suchte Seinesgleichen in der Unterhaltungsindustrie. Ruhmreiche Sieger des Abends waren Tom und Krusty, dicht gefolgt und nicht geschont von Ramona und Laura. In Wirklichkeit haben aber alle gewonnen, dank dreifachem Circle of Life und den frechdachsischen Kommentaren von Moderator Niels in seiner Kunstrasenweste. Hinzu kam der musikalisch glitzernde Piñata-Regen, der den Zuschauern von M&M-Urgestein La Kay und unserem Gast Frau Käfer geliefert wurde. Ein Genuss gleichermaßen auf der heimischen Couch oder im muggeligen Zelt, das uns dankenswerterweise vom Erfurter Zeltverleih zur Verfügung gestellt wurde. Wahnsinn!

Samstag konnten auch geschwollene Augen und Regenwetter nicht verhindern, dass das GRAPHIT im praktischen Workspaceformat vonstatten ging. Im Klanggerüst wagte Illustratorin Alice Social mit den Teilnehmenden zeichnerische Weissagungen getreu dem Motto „Alles wird gut. Oder auch nicht.“, während Marcus Berger und Niels Jüngling im Experimental Labor zu kollaborativer Wanderschaft mit Lego einluden. Parallel dazu rief die Künstlergruppe Team Members zum gemeinsamen „Sprüh“. Nach einer kurzen Einführung in die Dosenzunft durch Dr. Hot startete die Wandmalaktion im großen Raum vom Kontor, den wir spontan und dankenswerterweise als Schlecht-Wetter-Gute-Laune-Option nutzen konnten.

Gemütlich vorwärts ging es abends im Klanggerüst mit der Live-Übertragung vom Versus-Festival, das zeitgleich zum GRAPHIT im Kalif Storch stattfand und musikalische Untermalung für intensive Skizzenbuch-Kritzel-Runden bot, bei dem auch das ein oder andere Tanzbein zappeln durfte.

Leider hat alles ein Ende. Umso schöner, wenn man nicht nur sang- und klanglos verschwinden muss, sondern nochmal gut gestärkt in den letzten Tag starten kann, bei dem auch Kunstkumpel Karsten Kunert zum Aktzeichnen geladen hat. Fast schon Tradition, dass man hier entspannt und unter Anleitung nochmal die Augen spitzen und den Bleistift schulen kann. Für die meisten schloss sich die Heimreise in nahe oder ferne Gefilde an, während andere noch bleiben wollten und schonmal beim Hosentaschen-Sketch-Workshop erahtnen, was die Zukunft bringt.

GRAPHIT, es war schön mit dir!

Kleiner Rückblick - das erste GRAPHIT 2018

Im September 2018 veranstalteten wir das erste GRAPHIT – für uns Neuland und in vielerlei Hinsicht ein Erfolg. Viele tolle KünstlerInnen und Kreativschaffende waren zu Gast. Als DozentInnen konnten wir Stefhany Y. Lozano, Christoph Blankenburg, Moritz Stetter, Alexander Von Knorre, Frank Stehl, Julia Heinemann, Christoph Feist, Dirk Wachsmuth, Kai Meinig, Julia Kluge, Sharmila Banerjee, Boggie Gramb, Phillip Janta, Jan Van Der Veken, Gerlinde Meyer, Victoria Ringleb, Karsten Kunert und Sepp Müller begrüßen. Hinzu kamen viele Supporter und eine überwältigende Teilnahme aus der Stadtöffentlichkeit. Ein toller Auftakt, aus dem viele Freundschaften und starke Netzwerke entstanden sind, die noch heute wirken. Hier ein paar Eindrücke, dankeswerterweise festgehalten von Paul Würtz, Julia Heinemann und Valeriya Sidorenko.